Die isoliert perfundierte Niere – ein wichtiges Werkzeug der experimentellen Nephrologie

Ein relativ kleines Volumen (200 ml) von semi-synthetischem Perfusionsmedium durchströmt rezirkulierend die komplett isolierte Niere einer Maus oder Ratte. Es enthält Albumin als Kolloid und wird gegen ein 25faches Volumen einer protein- und zellfreien Lösung dialysiert. Das Dialysat ersetzt verbrauchte Metaboliten und Volumenverluste und stellt gleichzeitig einen Verteilungsraum für die von der Niere produzierten ‚urämischen Mittelmoleküle’ dar. Die Oxygenierung des Perfusionsmediums erfolgt über den Dialysator (‚Dialunge’), indem entsprechende Gase ins Dialysat geleitet werden. Mit diesem experimentellen Aufbau ist es möglich, die renale Funktion für mindestens 3 h stabil zu halten. Die glomeruläre Filtrationsrate entspricht dem In-vivo-Wert (0,8 bis 1,1 ml/min). Die fraktionelle Natriumresorption, ein besonders empfindlicher Indikator für eine gute renale Funktion, beträgt unter Standardbedingungen etwa 97 bis 98%. Die Glukoseresorption stimmt mit dem tubulären Load nahezu überein; dies zeigt, dass die isolierte Niere ein geeignetes Modell ist, um das renale Handling organischer Solute zu untersuchen. Das Präparat reagiert in physiologischer Weise auf Diuretika (Carboanhydrasehemmer, Schleifendiuretika und distal wirkende Diuretika); dasselbe gilt für Hormone und Wachtumsfaktoren wie Urodilatin, VEGF, IGF-1 oder Leptin. Die isoliert perfundierte Niere ist daher ein geeignetes Modell, um zahlreiche physiologische, pharmakologische oder biochemische Aspekte der renalen Funktion zu untersuchen; sie ist eine Art Verbindungsglied zwischen Zellkuturmodellen und Untersuchungen am Ganztier.